Landesverband Badischer Imker e.V.
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Tätigkeitsbericht 2014

Tätigkeitsbericht für das Jahr 1999

Tätigkeitsbericht für das Jahr 2014

Ekkehard Hülsmann                                                                                                             Seite 1

 

 

1.  Mitgliederstand und Bienenvölkerzahlen beim Landesverband Badischer Imker

 

 

 

Jahr

 

 

Mitglieder

 

Bienenvölker

 

Ø Völkerzahl /

Imker

 

2013

        2014

 

7.712

8.040

 

  63.283

  64.242

 

  8,2

  8,0

 

 

 

 

Die Mitgliederzahlen im badischen Imkerverband sind 2014 über die magische Grenze von 8.000 gesprungen. Nach Ausgleich der altersbedingten Abgänge konnten wir einen  Nettozuwachs von 328 Mitgliedern (+ 4,3 %) bilanzieren. Das macht Mut für die Zukunft.

 

Ein großes Lob sei den Imkervereinen und unseren Badischen Imkerschulen für den ehrenamtlichen Einsatz bei den gebietsübergreifend angebotenen Anfängerlehrgängen ausgesprochen, in denen naturbegeisterte Menschen in die Geheimnisse der Imkerei eingeführt werden. Dafür ein herzliches Dankeschön.

 

 

2. Nationalpark „Schwarzwald“ ist Realität

 

Wir badischen Imker haben die Idee des Nationalparks „Schwarzwald“ konstruktiv begleitet und auf dem Badischen Imkertag 2013 zum zentralen Thema gemacht. Dabei hatten wir rückblickend die richtige Nase bei der Auswahl der damaligen Referenten:  Dr. Wolfgang Schlund und Dr. Thomas Waldenspuhl wurde 2014 die Leitung des neuen Nationalparks Schwarzwald übertragen.

 

Schöpfung bewahren, der Nationalpark ist dafür ein praktisches Beispiel. Wir konnten unsere Anliegen einbringen. Und bei notwendiger kontroverser Diskussion in der Vergangenheit: Wer, wenn nicht wir in Baden-Württemberg kann sich einen Nationalpark leisten? Das muss uns der Natur- und Artenschutz Wert sein. Dank dafür unserem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und unserem Landwirtschaftsminister Alexander Bonde für die zügige Umsetzung mit gutem Ergebnis.

 

 

3.     Maiswurzelbohrer – Quarantänestatus aufgehoben

 

Der Maiswurzelbohrer und die Bienen sind seit der großen Insekten- und Bienenvergiftung bei der Maisaussaat 2008 durch das hochdosierte Beizmittel Clothianidin in der Oberrheinischen Tiefebene - unserem Verbandsgebiet - zum Synonym für umweltunverträgliche Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen geworden. Das Verbot dieses beanstandeten Beizmittels wurde inzwischen auf die EU ausgeweitet.

 

Seit dem 26. Februar 2014 ist der Quarantänestatus für die Maiswurzelbohrerbekämpfung in unserer Region aufgehoben. Er wird damit wie andere invasive Schadinsekten zum Teil unseres Ökosystems. Die seit 2009 angeordnete Fruchtfolge als natürliche ackerbauliche Bekämpfungsmaßnahme zeigt Wirkung, so die erfreuliche Bilanz. „Der Maiswurzelbohrer breitet sich in Baden bislang nicht weiter aus“, war die beruhigende Pressenachricht des Regierungspräsidiums Freiburg in der Badischen Bauernzeitung vom 8. November 2014.  

 

 

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Dieses beeindruckende Beispiel einer Win-Win-Situation guter landwirtschaftlicher Praxis  ist Basis für die offene Gesprächskultur, die zwischen  Landwirtschaft, Jägern, Imkern und Verwaltung in dieser Zeit gewachsen ist – in persönlichen Kontakten, in den Bienenschutzausschüssen auf Ebene der Landkreise und beim „Runden Tisch Landwirtschaft – Imkerei“ am MLR. Seit 2014 entscheidet der jeweilige Landwirt in eigener Verantwortung, wie er die wirkungsvoll erkannte Bekämpfungsstruktur ackerbaulich in seinen Betriebsablauf einplant.  Das ist gut so. Verantwortung schafft Vertrauen und stärkt das positive Image der Landwirtschaft in der Bevölkerung.

 

 

4.    Feuerbrandbekämpfung ohne Streptomycin

 

Seit 2001 wurde der Feuerbrand in Obstbau mit Streptomycin bekämpft. Seit dieser Zeit gab es vor allem in der Bodenseeregion Probleme mit Antibiotikarückständen im Honig. 2014 stand erstmalig mit Kaliumalaun (LMA) ein für die Umwelt unbedenklicher Wirkstoff in Notfallzulassung zur Verfügung. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Braunschweig hat deshalb für 2014 eine weitere Notfallzulassung von Streptomycin abgelehnt. Damit ist ein großes Problem für die Umwelt und die Reinheit des Honigs vom Tisch.

 

Da die Notfallzulassung von Streptomycin die schriftliche Genehmigung der Imkerverbände voraussetzte,  waren intensive Gespräche zwischen Obstbau, Imkern und Verwaltung jedes Frühjahr vorgegeben. Das Ringen um Lösungen war stets von dem Bewusstsein getragen, dass der Obstbau einerseits wirksame Bekämpfungshilfen benötigt, andererseits die Umwelt und der Honig nicht mit Streptomycin belastet sein sollten, das lange ohne Alternativen war. Dieser Wertekonflikt wurde ein Musterbeispiel, wie in  demokratischen Strukturen Lösungen gefunden werden konnten und alle Beteiligten sind daran gewachsen.

 

Ende gut, alles gut. Im Nachhinein betrachtet war es ein kluger Schritt des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, durch die erwartete Unterschrift der Imker alle vom Feuerbrand Betroffenen an einen Tisch zu bringen. Das förderte nicht nur das Verständnis füreinander, sondern in den Gesprächen wuchsen Lösungen – ein Modell für die Zukunft.

 

 

5.    Kirschessigfliege – neuer invasiver Schädling

 

Die Kirschessigfliege als neuer invasiver Schädling hat 2014 durch ihr erstes massenhaftes Auftreten Obstbau, Weinbau, Imker und Verwaltung in Atem gehalten. Das kleine Schadinsekt aus Südostasien übertrifft alle bei uns beheimateten Schädlinge. Sie hat eine hohe Reproduktionsrate, einen kurzen Generationszyklus und befällt alle weichschaligen Früchte im Obstbau und im Weinbau. Ohne Bekämpfung sind Schäden zu 100 Prozent der Ernte vorprogrammiert. Die explosionsartige Vermehrung  und die Universalität bei den Wirtsfrüchten stellt die Bekämpfung vor noch nie da gewesene Herausforderungen.

 

Auch die Imker waren mit den Bienen und dem Honig gleich in doppelter Hinsicht von diesen neuen Ereignissen betroffen. Zum einen musste der neue Schädling bis direkt vor der Ernte intensiv mit zusätzlichen Pflanzenschutzmaßnahmen bekämpft werden, die alle als bienengefährlich eingestuft waren. Zum anderen gab es Probleme, weil die Bienen Fruchtsäfte aus den flächendeckend befallenen Kulturen im Obst- und Weinbau in die Waben eingelagert haben, was zu Honigverfälschungen geführt hat.

 

 

 

 

 

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Vorbildlich war der Umgang mit der Angst und der Ungewissheit: Am 14. August 2014 hat Dr. Konrad Rühl vom MLR alle Betroffenen mit Experten am Weinbauinstitut in Freiburg zu einer großen Runde und offenen Lösungsfindungsgesprächen zusammengeholt. Am 21. August 2014 kam Minister Alexander Bonde nach Oberbergen in den Kaiserstuhl in geschädigte Rebgrundstücke. Mit eingeladen war immer auch der Präsident der badischen Imker. Der Bienenschutz spielte bei allen Maßnahmen eine zentrale Rolle. Besser kann man es nicht machen. Dank auch an den badischen Weinbaupräsidenten Kilian Schneider, der diesen Spagat zwischen Pflanzenschutz und Bienenschutz positiv besetzt hat. So konnte gemeinsam nachjustiert werden, wenn in der Umsetzung kleinere Irritationen auftraten.

 

Baden-Württemberg zieht vier wichtige Konsequenzen für 2015:

 

1.    Das MLR hat das CVUA Freiburg beauftragt, ein Untersuchungsmonitoring für Honig mit Fruchtsaftanteilen aus dem Kirschessigfliegenbefall aufzulegen. Dieses Problem wird ab sofort häufiger auftreten. Deshalb muss  dringend abgeklärt werden, wie Imker mit solchen Honigen umgehen. Die Untersuchung ist kostenlos. Honigproben sind an den Fachberater für Imkerei Armin Spürgin am RP Freiburg zu senden.

 

2.    Landwirtschaftsminister Alexander Bonde hat noch 2014 die Verbände in Obstbau und Weinbau gebeten, zur Erarbeitung einer Bekämpfungsstrategie gegen die Kirschessigfliege für 2015 rechtzeitig auf die Imkerverbände zuzugehen.

 

3.    Im Landwirtschaftsministerium werden derzeit die Bienenschäden ausgewertet, die 2014 durch die Bekämpfung der Kirschessigfliege aufgetreten sind, um daraus Konsequenzen für das kommende Jahr zu ziehen. Es sind punktuelle Schäden gemeldet, erfasst und untersucht worden.

 

Im Herbst wurden bisher im Weinbau keine Pflanzenschutzmittel ausgebracht, was durch die Kirschessigfliege jetzt nötig wurde. Deshalb könnte es sein, dass mancher Imker im Flugkreis der Weinberge den einen oder anderen Schaden an seinen Bienen gar nicht bemerkt hat. Ungeklärt ist auch, wie sich die ausgebrachten Pflanzenschutzmittel mit Fruchtsaft vermengt auf die Bienen auswirken, die diesen Fruchtsaft sammeln. Hier braucht es einfach noch weitere Erfahrungen.

 

4.    Das Land Baden-Württemberg veranstaltet am 20. Februar 2015 ein „Internationales Kirschessigfliegen-Symposium“ in der Oberrheinhalle Offenburg, um Experten- und Erfahrungswissen aus anderen Regionen zu nutzen.

 

 

6.    Asiatische Hornisse in Baden

 

Wenn invasive Insekten in Deutschland ankommen, dann sind wir in Baden als wärmste Gegend Deutschlands „Einwanderungsland“. So auch bei der asiatischen Hornisse, die im September  2014 in nordbadischen Waghäusel an einer Dahlienblüte fotografiert wurde. Auch unter dem Vordach eines Lehrbienenstandes in der Südpfalz hatten asiatische Hornissen im Laufe des Jahres ein großes Nest gebaut. Auffälligkeiten bei den Bienenvölkern konnten nicht beobachtet werden. Noch im November 2014  waren die Hornissen trotz des kühlen und nebligen Wetters dort äußerst flugaktiv.

 

Auch hier können wir sagen: Willkommen in Deutschland als zweite Hornissenart. Wie die Verbreitung weiter geht, muss beobachtet werden. Wir wissen aus den Erfahrungen unserer französischen Imkerkollegen, dass durch das ausgeprägte Jagdverhalten dieser Flugkünstler Bienenvölker unmittelbar negativ betroffen sein können. Hier braucht es Erfahrungen, wie sich die neuen Bewohner unserer Landschaft in das bestehende Ökosystem einbringen. Wachsamkeit ist geboten, Panik dagegen nicht angesagt.

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7.    Kleiner Beutenkäfer in Italien

 

Um den Kreis der Neuankömmlinge für 2014 zu schließen: Im fernen Kalabrien und Sizilien wurde dieses Jahr in großem Umfang der Kleine Beutenkäfer in Bienenvölkern entdeckt. Tausende von Bienenvölkern sind abgetötet worden. Das Frühjahr 2015 wird zeigen, wie es in Süditalien weitergeht. Bei weiterer Ausbreitung nach Norden stößt der Beutenkäfer als originärer Bewohner tropischer Regionen bei uns an die natürliche Klimagrenze.  Deshalb ist Panikmache ganz verkehrt.

 

Bedenken wir: Imker sind diejenigen, die die Ausbreitung dieses „unangenehmen“ Schädlings forcieren, in dem sie wie in der Vergangenheit in großer Zahl Kunstschwärme aus dieser Region beziehen (man spricht von 50.000 pro Jahr allein für Deutschland) oder mit ihren Bienenvölkern über Winter in diese südliche Region Italiens zur Orangen- und Eukalyptusblüte wandern. Möglicherweise ist der Käfer über diesen Weg unerkannt auch schon in Deutschland angekommen. Wer weiß?

 

Derzeit muss es deshalb heißen: Stopp mit diesen Aktionen und nicht meinen, man habe etwas verpasst, wenn man nicht am „Schwungrad der Globalisierung“ mit gedreht hat.

 

 

8.    Deutsche Pflanzenschutztagung 2014 in Freiburg

 

Im September 2014 trafen sich 1.200 Pflanzenschutzexperten zur 59. Deutschen Pflanzenschutztagung an der Universität Freiburg. Dem Organisationskomitee gehörte auch Dr. Michael Glas vom LTZ Augustenberg an. An drei Tagen waren die Bienen im Focus der Vorträge. Dies zeigt, welche Bedeutung den Bienen als unbestechlichen Umweltindikatoren an der Schnittstelle zwischen Natur und Pflanzenschutz beigemessen wird. Als Präsident der badischen Imker konnte ich bei vielen Gesprächen die Anliegen der Imker vertreten.

 

 

9.    Probleme mit bienenungefährlichen Pflanzenschutzmitteln

 

Im Pflanzenschutz haben uns 2014 vor allem die sog. „bienenungefährlichen“  Pflanzenschutzmittel (B 4) beschäftigt. Großfläche Bienenvergiftungen um Ostern 2014 im Obstbau in der Ortenau hatten ihre Ursache nicht nur im verbotenen Einsatz von ME 605, sondern vor allem durch falsch angewandte bienenungefährliche Pflanzenschutzmittel.

 

Landwirte vertrauen auf die Klassifizierung, die sie in scheinbare Sicherheit wiegt. Eine gezielte und intensive Beratung über die großen Risiken bei B4-Mitteln durch den staatlichen Pflanzenschutzdienst wird bisher nicht praktiziert. Dabei können kleinste Abweichungen von der zugelassenen Norm durch Änderung der Dosierung, durch Beimischungen und den Spritzungen während des vollen Bienenfluges aus den sog. „bienenungefährlichen“ Pflanzenschutzmitteln für unsere Bienen und die übrigen Insekten tödliche Varianten werden. Dies betrifft den Ackerbau ebenso wie den Obst- und Weinbau.

 

Zukünftig werden sich diese Probleme verschärfen, weil die Kirschessigfliege ganzjährig viele zusätzliche insektizide Pflanzenschutzmitteleinsätze nötig macht.  Dort waren 2014 zum Glück nur B1-Mittel zugelassen, deren detaillierte Anwendervorschriften in der staatlichen Pflanzenschutzberatung eine zentrale Rolle spielen. Das wird aber erfahrungsgemäß zukünftig nicht so bleiben. Die Anwender drängen auch hier auf Zulassung von „bienenungefährlichen“ Pflanzenschutzmitteln, die sie von den engen Vorschriften der B1-Mittel befreien.

 

 

 

 

 

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Aus diesem Grund habe ich mich mit Schreiben vom 18. August 2014 direkt an Landwirtschaftsminister Bonde gewandt mit der Bitte, zukünftig die großen Risiken bei sog. „bienenungefährlichen“ Pflanzenschutzmittel für Bienen pflichtmäßig in die Aus- und Fortbildung der Landwirte und Winzer zu integrieren, was bisher fehlt. Hier besteht in Baden-Württemberg eine große Beratungslücke beim staatlichen Pflanzenschutzdienst, die im Interesse der Bienen und der Umwelt dringend geschlossen werden muss. Weiter, so meine Anregung an unseren Fachminister, sollte auf Bundesebene erreicht werden, dass der Klassifizierungsbegriff „bienenungefährlich“ geändert wird, weil er für den gutgläubigen Anwender eine gezielte „Verbrauchertäuschung“ darstellt.

 

 

10. Varroabekämpfungsmittel 2014

Als Grundlage für eine wirkungsvolle, an ökologischen Grundsätzen orientierte Varroabekämpfung standen den Imkerinnen und Imkern folgende nach dem Varroabekämpfungskonzept Baden-Württemberg empfohlene Mittel zur Verfügung:

 

Für die Spätsommerentmilbung 2014 waren die 60%ige Ameisensäure ad us. vet. (frei verkäuflich) und das ApiLife Var (apothekenpflichtig), für die Winterbehandlung die Oxalsäuredihydrat-Lösung (apothekenpflichtig) im Angebot.

 

Es wurden folgende Medikamente über den Sammelbezug angefordert:

 

Medikament

Anzahl

Eigenanteil

 

Oxalsäure      4,80 EUR

(2 x 500 ml)

 

  3.697 Packungen

                       

  15.244,00 EUR

 

Apilife Var          1,00 EUR 

 

    16.174 Beutel

 

    16.174,00 EUR

 

 

AMEISENSÄURE

 (60 %) ad us. vet.   2,00 EUR

 

 

10.336 Liter

 

 

  20.672,00 EUR

 

                                                                                                                                                           

 

Das Landwirtschaftsministerium hat 2014 meine Anregung aus 2013 aufgegriffen und die frei verkäufliche 60%ige Ameisensäure ad us. vet. nicht mehr über die Veterinärämter, sondern direkt an die Imkervereine ausliefern lassen – eine große Erleichterung für alle Betroffenen. Mein Dank geht hier besonders an Frau Dr. med. vet. Susanne Brinkmann von der Veterinärabteilung des MLR, die unsere Anliegen immer mit großem Wohlwollen in den Entscheidungsgremien des Fachministeriums vertritt.

 

Ab 2015 sind bei der Bestellung die Betriebsnummern der Imker anzugeben. Weiter wurde die Bestellmöglichkeit auf zwei Termine verdichtet:  15. März und 15. Mai. Dies kommt neben der Verwaltungsvereinfachung einem wichtigen Anliegen aller Experten entgegen: Nur wer sich rechtzeitig mit den Bekämpfungsmitteln eindeckt, kann auch zeitgerecht in die Bekämpfung der Varroamilbe einsteigen. Im Bestandsbuch muss die Anwendung der apothekenpflichtigen Arzneimittel dokumentiert werden.

 

 

 

 

 

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11.                       Tierseuchenkasse Baden-Württemberg

Seit 1997 besteht eine Vereinbarung zwischen dem Landesverband und der TSK. Für unsere Mitglieder entfällt eine gesonderte Meldung der Bienenvölker. Mit den über den Verein an die Geschäftsstelle unseres Landesverbandes zum Jahreswechsel gemeldeten Völkerzahlen zur Versicherung ist gleichzeitig auch die Meldung für die TSK erledigt. Dieses Verfahren bringt unseren Mitgliedern nicht nur Rechtssicherheit, sondern ist auch kostengünstig und sorgte  2014 dafür, dass wie in der Vergangenheit keine Umlage für die TSK notwendig wurde.

 

Die Zusammenarbeit der TSK mit dem badischen Imkerverband verläuft sehr konstruktiv und vertrauensvoll zum Wohle der betroffenen Imkerinnen und Imker. Für die zuverlässige Arbeit bei der Abwicklung der Faulbrutentschädigung und der Varroabekämpfungsmittel  ein herzliches Dankeschön an den Verwaltungsleiter Bruno Körner und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

 

12.                       Förderung der Imkerei 2014

Seit 1998 wird das "Förderprogramm zur Verbesserung der Erzeugung und Vermarktung von Honig" in Kofinanzierung zwischen Baden-Württemberg und der EU umgesetzt. Aufgrund der vorgelegten Anträge konnten 2014 folgende Fördermittel ausbezahlt werden:

Aus- und Fortbildung der Imker                                36.226,57 EUR

Lehr- und Demonstrationsgeräte

und -maschinen                                                        2.211,80 EUR

Trachtmeldedienst                                                       265,00 EUR

Honiguntersuchungen                                              12.960,00 EUR

                                                                           ______________

Ausbezahlte Fördermittel 2014:                             51.663,37 EUR

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Im Rahmen der von Baden-Württemberg kofinanzierten EU-Förderung liegt seit 2013 ein besonderer Schwerpunkt auf dem ehrenamtlichen Einsatz bei der Aus- und Fortbildung der Imker in den Vereinen. Dieser anerkennende Aspekt hat in den Vereinen für „Aufwind“ und Begeisterung gesorgt.

Mein Dank gilt unserem Referenten für Bienenzucht beim MLR, Herrn Dr. Wilhelm Pflanz, der sich fachkundig unserer Anliegen annimmt und immer Wege für gute Lösungen zugunsten der Imkerinnen und Imker findet.

                                                                                                                                                         

Frau Gabriele Wagner an unserer LV-Geschäftsstelle hat bei der Abwicklung der vielen Förderanträge mit einem Berg von Belegen wie gewohnt die Übersicht behalten und im August 2014 zuverlässig für die fristgerechte Vorlage beim MLR gesorgt. Unser Schatzmeister Ingo Lichtenberg übernahm die Auszahlung der Fördergelder an die Vereine zügig und präzise. Beiden für den wichtigen Part ein ganz herzliches Dankeschön.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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13.                                                                                                                                                         Umsetzung der GAP für 2014 bis 2020 in Baden-Württemberg

 

Zur Ausgestaltung der neuen GAP-Förderperiode in Baden-Württemberg gab es mehrere Anhörungstermine, an denen wir unser Anliegen „Mehr Blühflächen als Verbesserung der Nahrungsgrundlagen für Bienen und andere Insekten“ vortragen konnten.

 

In der ersten Säule sind 5 % der Flächen für Greeningmaßnahmen vorgeschrieben. Bei den ökologischen Vorrangflächen wurden Blühmischungen wie bisher in den Förderkatalog aufgenommen, neu aber auch Leguminosen.

 

In der zweiten Säule sind die Agrarumweltmaßnahmen im baden-württembergischen Förderkonzept FAKT (Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl) verankert. Auch hier ist ein umfangreiches Förderangebot mit unterschiedlichen Blühmischungen vorgesehen.

 

Baden-Württemberg hat sich bei den Verhandlungen im Bund und in der EU für die Verbesserungen des Blütenangebotes nachhaltig eingesetzt. Dies fand in dem von der EU genehmigten Förderprogramm seinen positiven Niederschlag. Ministerialdirektor Wolfgang Reimer, der als Amtschef des MLR an zentraler Stelle die Fäden gezogen hat, wird uns auf der Vertreterversammlung am 21. März 2015 berichten.

 

Entscheidend ist die Umsetzung ab 2015. Was realisieren die Landwirte? Vor allem die Förderalternative beim Greening zwischen Blühflächen und Leguminosen wird rein betriebswirtschaftlich gerechnet eine Anbau-Entscheidung zugunsten der Sojabohne bringen, die als Selbstbestäuber keine Insekten braucht und deshalb auch für die Bienen weder Nektar- noch Blütenstaub bereit hält.

 

 

14.                                                                                                                                                         Neufassung der QZ-Richtlinien – Honig gentechnikfrei

 

Zum 01.01.2014 wurden der Lizenzvertrag des Landesverbandes und die bisherigen Zeichennutzerverträge durch die MBW Baden-Württemberg neu gefasst. Dabei wurde auch dem Anspruch nach Gentechnikfreiheit Rechnung getragen.

 

Für Honig mit dem Qualitätszeichen Baden-Württemberg gilt: Ab 01.01.2015 erfüllt der Produktbereich „Honig“ die Anforderungen an die Kennzeichnung als „gentechnikfreies“ Produkt.

 

 

15.  Honigprämierung und Verbraucherschutz

 

Die Honigprämierung des Landesverbandes ist ein fester und bewährter Leistungswettbewerb bei unseren Mitgliedern im Zwei-Jahres-Turnus. 2014 gab es Irritationen, weil die Goldmedaille auf dem Honigglas eines prämierten Imkers von der staatlichen Lebensmittelkontrolle als „Verbrauchertäuschung“ beanstandet wurde.

 

Da der Vorgang die Abläufe des Landesverbandes betraf, habe ich diesen Fall für eine grundsätzliche Klärung des Sachverhaltes mit der Lebensmittelkontrollbehörde für Honig des Landes Baden-Württemberg genutzt. Was ist erlaubt und was ist verboten? Beschäftigt haben sich mit dieser Frage alle Stellen bis zur Amtsspitze des Verbraucherschutzministeriums. Klar, wir wollten eine Lösung, die Bestand für die Zukunft hat und damit bei der nächsten Honigprämierung 2017 in Eberbach mit gutem Gewissen umgesetzt werden kann.

 

 

 

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Wer das „D.I.B.-Prüfschema für Honig“, das Grundlage für unsere Honigprämierungen ist, analysiert, merkt schnell, dass es bei allen Fragen eigentlich nicht um den Honig, sondern zentral um die Arbeit des Imkers geht. Es wird deshalb nicht der Honig prämiert, sondern die Imkerei, die ihre Honiglose zur Prämierung vorstellt. Dies findet auch seit Jahren im Text unserer Prämierungsurkunde ihren Niederschlag. Auf den Gold- und Silbermedaillen für die Honiggläser stand allerdings bisher nur „Prämierung“ und die Jahreszahl. Dies war dem Verbraucherschutz jetzt Anlass zur Beanstandung, weil dies nicht eindeutig genug signalisiert, was genau prämiert wurde: der angebotene Honig im Glas oder die Imkerei.

 

Das Problem ist jetzt gelöst: Am 1. Dezember 2014 schlug die Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer vom Regierungspräsidium Freiburg als landesweit zuständige Fachbehörde für Honig vor, ab sofort „Prämierte Imkerei“ auf dem Siegel auszuloben. Damit wird den Anliegen des Verbraucherschutzes Rechnung getragen.

 

Kleine Ursache, große Wirkung. In der Bilanz hat sich der große Klärungsaufwand gelohnt. Wir liegen jetzt im Gleichklang mit unseren schweizerischen Nachbarn, wo Qualität schon immer einen außergewöhnlich hohen Stellenwert hatte. Zentralpräsident Richard Wyss vom VDRB hat in der Januar-Ausgabe 2015 der Schweizerischen Bienen-Zeitung für das Goldsiegel auf den Honiggläsern klargestellt: „Weil die Bienen immer Honig höchster Qualität produzieren, wurde der Focus auf die imkerliche Praxis gelegt, weil nur dort etwas schief gehen kann“.

 

Dank an alle, die die aufregende Zeit von sieben Monaten bis zur Klärung begleitet haben, insbesondere an Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, unsere Schirmherrin des Badischen Imkertages 2015.

 

 

16.  Landesanstalt für Bienenkunde Hohenheim 50 Jahre

 

Beim Hohenheimer Imkertag 2014 konnte die Landesanstalt ihr 50-jähriges Jubiläum feiern. Ich hatte die Ehre, für die Imkerverbände Baden-Württembergs Grüße, Glückwünsche und den besonderen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter der Leitung von Dr. Peter Rosenkranz auszusprechen. Wir Imker werden hier jederzeit freundlich und fachkundig unterstützt.

 

Im Oktober 2014 konnte Dr. Peter Rosenkranz mit wissenschaftlichen Arbeiten in der Varrooseforschung seine Habilitation abschließen. Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung.

 

 

17.                       Gaede & Glauerdt - unser Versicherungsmakler

 

Der Landesverband Badischer Imker e. V. ist seit 2005 in einem Versicherungsverbund mit dem Landesverband Württembergischer Imker e. V. bei Gaede & Glauerdt. Die Versicherungsprämie von 0,40 EURO pro Bienenvolk ist ein konkurrenzlos kostengünstiges Angebot an unsere Mitglieder und kann aufgrund des günstigen Schadensverlaufes auch für 2015 stabil gehalten werden.

 

Die Betreuung durch unseren Hamburger Versicherungsmakler ist gut. Anfragen werden zügig beantwortet und Schadensfälle zeitnah abgewickelt. Das erleichtert die Arbeit.

Dank an Prokurist Arno Martinsen und seine Mitarbeiterinnen.

 

 

 

 

 

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18.                                                                                                                                                         Online-Mitgliederverwaltungsprogramm für die Vereine und Imker

 

Das kostenfreie LV-Angebot der Online-Freischaltung der Mitgliederdaten nutzen immer mehr Imkervereine und Imker.

 

Die Imkervereine können damit ihre Daten eigenständig verwalten und die umfassenden Service-Angebote des Programms nutzen: Wer hat Geburtstag, wer sollte geehrt werden? Diese und weitere Fragen beantwortet mit einem Mausklick die Mitglieder-Online-Verwaltung.

 

Imker können auf diesem Weg die Gewährverschlussbestellungen an den D.I.B. online senden. Voraussetzung ist, dass ihre E-Mail-Adresse im Online-Programm hinterlegt ist. Bei diesem Schritt ins 21. Jahrhundert war Baden 2011 „Wegbereiter“ beim D.I.B. für die Imkerverbände in ganz Deutschland.

 

Ansprechpartnerin bei Rückfragen ist Frau Wagner an unserer Landesverbandsgeschäftsstelle.

 

 

19.                                                                                                                                                         Badischer Imkertag 2014 in Elzach - Agrarethik

 

Höhepunkt des Imkerjahres bildete der Badische Imkertag am 30. März 2014 im Haus des Gastes   in Elzach  mit  vorausgegangener   Vertreterversammlung   am 29. März 2014. Es war eine hervorragend organisierte und ausgezeichnet besuchte Veranstaltung.

 

Auf der Vertreterversammlung hatten wir von der Landesregierung Baden-Württembergs die Staatssekretärin Dr. Gisela Splett zu Gast. Am Sonntag konnten wir unseren Schirmherrn, Weihbischof Dr. Bernd Uhl von der Erzdiözese Freiburg mit Dr. Clemens Dierscherl von der EKD Deutschlands begrüßen. Dass die beiden christlichen Kirchen im Vortragsprogramm einen besonderen Stellenwert bekamen, lag an dem Thema des Badischen Imkertages: Agrarethik – Schöpfungsverantwortung. Konkret die Frage: Wie gehen wir mit unserer Erde um? In diesem Bereich haben sich die Kirchen seit vielen Jahren fundiert positioniert zu Wort gemeldet. Dies das thematische Glanzstück und der geistige Höhepunkt unserer Badischen Imkertage, wobei der Neurobiologe Professor Dr. Dr. hc. Randolf Menzel aus Berlin die Schöpfungsverantwortung am Beispiel der Bienen konkretisierte. So wurde diese Veranstaltung zum Erlebnis der besonderen Art, das noch immer nachwirkt und das uns eine positive Resonanz der Besucher bescherte wie noch bei keinem anderen Imkertag.

                                                                                                                                                          Ein großes Dankeschön geht an die Elztäler Imkerinnen und Imker unter ihrem Vorsitzenden Manfred Vierhaus für die umfangreichen Vorbereitungen und die gastfreundliche Aufnahme.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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20.  Was bleibt nach 28 Jahren?

 

     28 Jahre stand ich als Präsident der badischen Imker an der Spitze unseres Verbandes. Unter sechs Landwirtschaftsministern habe ich die Interessen der Bienen und der Umwelt vertreten.

    

     28 Jahre war ich Mitglied im erweiterten Präsidium des Deutschen Imkerbundes, davon acht Jahre im geschäftsführenden Präsidium und sieben Monate an der Bundesspitze als Präsident.

 

     Was bleibt im Rückblick?

 

     Es bleibt ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit für die vielen Begegnungen und Gespräche mit Menschen, die mich beeindruckt, bereichert und unterstützt haben. 

 

     Es bleiben Bilder, die heute Zeitgeschichte sind. Als die Grenzen zur DDR fielen, waren die Sächsischen Imker bei mir in Appenweier zu Gast, um sich in bundesdeutsche Rechtsnormen einführen zu lassen. Ich konnte die Gründungsversammlung in Dresden begleiten.

 

     Es bleibt der starke Eindruck meines Einsatzes als Präsident des D.I.B. für das Deutsche Bienenmuseum in Weimar. Gegen große Widerstände konnte ich durchsetzen, dass die Thüringer Imker ihr Kulturgut in Eigenverantwortung übertragen bekamen.

    

     Es bleibt die Erkenntnis, dass 2015 der richtige Zeitpunkt für die Übergabe meines Amtes ist. Mein Ziel, Bienen zum Thema einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion zu machen, ist realisiert. Ministerpräsident Wilfried Kretschmann hat Bienenvölker im Park seines Amtssitzes aufstellen und Landtagspräsident Guido Wolf Stelen für Wildbienen am Eingang des Landtages installieren lassen. Auf dieser stabilen Basis findet die jüngere Imkergeneration einen guten Einstieg in die wichtigen Verbandsgeschäfte.

 

     Es bleibt mein herzlicher Dank an Frau Gabriele Wagner, die meine Arbeit in den 28 Jahren an der Geschäftsstelle zuverlässig und unbeirrt unterstützt hat und sich jetzt auf neue Zeiten im Ruhestand freuen kann.

 

Und es bleibt als innerer Kern das vertraute Bild meiner Familie, meiner Frau Claudia und meiner Kinder Carmen und Bastian. Sie gaben mir Kraft, Heimat und Liebe. Sie hatten Verständnis, wenn private Planungen sich meinen ehrenamtlichen Einsätzen unterordnen mussten.

 

 

 

Ekkehard Hülsmann

Präsident des Landesverbandes

Badischer Imker e. V.

 

www.badische-imker.de